Als Kind des Ruhrgebietes habe ich dort als Sohn eines „überzeugten“ Kriegsteilnehmers, dessen Familie aus Berlin stammt, und einer Kriegsflüchtenden aus Danzig eine unbeschwerte frühe Kindheit erlebt. Einzig die sonntäglichen Konzerte zur Mittagszeit der „Original Egerländer“ mit ihrem Dirigenten Ernst Mosch und die ebenfalls sonntäglichen Mittagsmärsche im Deutschlandfunk, die mein Vater mit glühender Leidenschaft hörte, waren mir zutiefst ein Graus. Aber es war eine „Pflichtteilnahme“ an den sonntäglichen Konzerten angesagt, und manchmal gab es dann auch dafür 50 Pfennige, mit denen dann der Besuch der Kinder- und Jugendvorstellung im damaligen Odeon-Kino möglich war.

 

Hier begegneten mir dann auch die Helden meiner Kindheit: Der Häuptling der Apachen, Winnetou, sein bester Freund Old Shatterhand, und im Fernsehen war es Commander Cliff Ellister McLean, der mit seinem „Raumschiff Orion“ die Welt vor Tod und Verdammnis und den Froggs rettete.

 

Das Sterben der  „Pütts“ – so nannten die Kohlenpottler ihre Zechen –  zwang uns dann zur Umsiedlung in die Nachbarstadt nach Marl. Und dort begegnete mir dann eine Weile später eine mich sehr prägende Person: der damalige Rektor meiner Hauptschule  und Musiklehrer Fritz Seidler. Dieser erkannte mein musikalische Talent und meinen herrlichen Kindersopran und machte mich zum „Vorsänger“ des Schulchores. Gleichzeitig gab es in seinem Musikunterricht Zugang zu klassischen Werken – allen voran sind hier die Werke von Ludwig van Beethoven, Joseph Haydn, Johann Sebastian Bach und natürlich auch von Mozart zu nennen.  Diese Art von Musik gab es zu Hause nicht zu hören, und vielleicht war es auch deshalb ein Grund für mich, mich dieser Musik besonders hin zu geben.

 

 

Im zarten Alter von 14 Jahren habe ich dann erstmals eine Gitarre in der Hand gehalten und irgendjemand – ich habe leider vergessen, wer es war – brachte mir dann die ersten Akkorde bei. Seit dieser Zeit ist die Musik und eine Gitarre mein ständiger Begleiter, und in den folgenden Jahren übte ich mich fleißig darin, meine Technik auf der Gitarre zu verbessern.

Es folgten dann irgendwann ab Mitte Zwanzig die ersten Hauskonzerte, bei denen das Liedgut der damals bekannten Liedermacher (allen voran Reinhard Mey und Hannes Wader) auf dem Programm standen. Erst mit gut 40 Jahren erkannte ich, dass ich auch eigene Texte und Lieder machen konnte und unternahm meine ersten zaghaften Versuche, mich in dieser Kunst zu üben.

 

Obwohl mir immer wieder von Freunden und Bekannten gesagt wurde, dass ich meine Fähigkeiten beruflich nutzen sollte, weil man der Meinung war, dass ich mein Talent fördern sollte, habe ich keine wirklichen Schritte in dieser Hinsicht unternommen.  Es entstanden einige eigene Lieder, aber weitere Schritte vermochte ich nicht zu unternehmen.

 

Erst im Sommer 2015 kam es zu einem einschneidenden Erlebnis, das mich an die Wahrheit und an meine Klarheit geführt hat. Dazu bedurfte es nur, mir eine Frage zu stellen und ehrlich zu beantworten: Wer bist du? Ab da war alles ganz einfach, denn ich erkannte, dass ich jahrzehntelang auf relativen Irrwegen gewandelt bin und nicht wirklich bei mir war. Die Antwort auf vorstehende Frage lautet: Kraft, Liebe, Freude und... Musik. Aus diesem Grund habe ich beschlossen, „alle meine Zelte“ abzubrechen, mein „bürgerliches Leben“ über den Haufen zu werfen und (endlich) das zu sein, von dem andere schon seit Jahrzehnten wussten, dass ich es bin – ein singender Geschichtenerzähler. Ja, nun bin ich seit dieser Zeit auf diesem geraden Weg, und ich spüre, wie glücklich mich mein Entschluss sein lässt.

Allem früheren Zweifel zum Trotz möchte ich hier mein Lebensmotto zum Ausdruck bringen: Wer den Weg der Wahrheit geht, der stolpert nicht...

Behaltet immer die Liebe und Freude in euren Herzen und vergesst nicht euer Mitgefühl.  Lachend

 


 

Dresden, im September 2015

 

 

Herzlichst Euer/Ihr Rüdiger Kirsch