Charly

 

Und so oft, wenn sich der Kopf mir dreht und Kälte mich umgibt,

wärmt mich dein strahlend klarer Blick.

Wenn sich dumpfes Grau, so schwer wie Blei, um meine Seele legt,

bringst du in’s Leben mich zurück.

Gabst in all‘ den vielen Jahren deine Freundschaft und mir Mut,

hast nie gegängelt, nahmst mich, wie ich bin.

Wenn Verzweiflung mich ergriff, tat dein Trost mir einfach gut,

und so geh’n aus all‘ den Jahren jene Bilder durch meinen Sinn.

 

 

Weisst du noch, wie’s damals anfing bei dem Militärverein,

wo wir uns zum ersten Mal geseh’n?

Als zwei Blicke sich begegneten im trüben Lampenschein,

ohne Worte schienen wir uns zu versteh’n.

Nicht Befehl und nicht Gehorsam, der uns drückte Tag und Nacht,

schweißte uns zusammen, machte dich zum Freund.

Es war diese unerklärbar, und doch spürbar starke Macht,

die ein Mann ansonsten fühlt,

wenn er mit Herz um seine Liebste freit.

 

 

Tja, wir haben viel geredet, in so manch‘ durchzechter Nacht,

trotz Alkohol mit völlig scharfen Sinn.

Es gab keine Belehrungen, wir haben viel gelacht,

wofür ich heut‘ noch völlig dankbar bin.

Es gab weder Monologe oder fade Laberei,

du redetest mit Feuer tief im Blick, es

entstanden Geistesblitze, es wurd‘ Neues in uns frei,

noch heute wird mir‘s warm – denk‘ ich an jene Stunden zurück.

 

 

War es die gestorb’ne Liebe, die mich an mir zweifeln ließ,

oder ritt mich im Galopp der Teufel gerad‘.

War der Tod des Sohnes dunkle Mauer rund um mein Verlies,

befreitest du mich durch den guten Rat.

Du hast immer fest zu mir gestanden, nie gefragt: Wofür?

Verdient hab‘ ich das wirklich manchmal nicht.

Wie oft war ich es der zwischen uns verriegelte die Tür,

doch aufgesperrt hast du sie. Gedankt hab ich’s bis heute nur sehr schlecht.

 

 

In all‘ den langen Jahren ging ein jeder seinen Weg,

mal war’n wir fern, doch immer war’n wir nah.

Ich sag dir viel zu selten, wie sehr ich dich wirklich mag,

als sei es ein Geheimnis, das nur ich selber sah.

Du weißt mehr von mir, mein Freund, als jeder and’re auf der Welt,

doch nutzt du nie dein Wissen als Gewehr.

Und klingt’s auch schwülstig, sage ich, für jeden Batzen Geld

und Gold und Reichtum gäb‘ ich unsere Freundschaft nie, niemals her.

 

© Rüdiger Kirsch